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Nach fast einem halben Jahr in Kathmandu mit seinem chaotischen Nahverkehr erinnert man sich manchmal an das geregelte System in Deutschland und stellt dann fest, dass es wirklich kaum Übereinstimmungen gibt.
In Kathmandu gibt es grob gesagt drei verschiedene Arten von öffentlichen Verkehrsmitteln: Bus, Microbus und Tuck-Tuck, der Größe nach geordnet. Wie viele Personen mit den jeweiligen Vehikeln transportiert werden können ist schwer zu sagen weil irgendwie immer mehr Fahrgäste reinpassen als man sich vorstellen kann. Das hört paradox an, aber es ist wirklich wahr. Es kommt sehr selten vor, dass ein Bus an einer Gruppe Menschen vorbeifährt weil er überladen ist. Man befindet sich also in einem Bus und kann sich kaum mehr bewegen, weil die offiziell maximale Zahl an Personen, die der Bus befördern darf, schon um das Doppelte ausgereizt wurde. Der Bus hält an, keiner steigt aus, doch fünf weitere Personen steigen ein und alles was man mitbekommt ist, dass sich der spitze Ellbogen des Nachbarn ein klein wenig weiter in den Rücken bohrt.
Doch fangen wir von vorne an: Ich stehe an der Bushaltestelle am Ganeshtempel und wartet auf den Bus nach Patan. Es gibt natürlich keinen Fahrplan, doch alle fünf Minuten kommt ein Bus, auf dem der Zielort in Nepali geschrieben steht. Zusätzlich ruft der Geldeinsammler in einer von Abgasen gereizten und rauen Stimme die Zwischenstationen „Ratnapark, Sundhara, Kopundol“ ein Pfiff und wieder „Ratnapark, Sundhara, Kopundol“ Pfiff „Ratnaparkratnaparkratnapark“, alle Fahrgäste steigen ein, der Geldeinsammler klopft zweimal lautstark an die Bustür und der Busfahrer drückt das Gaspedal durch. Los geht’s! Die Sitze sind für Nepalis bemessen, dementsprechend schlagen während der Fahrt die Knie durchweg an den Vordersitz. Der Bus gerät in einen Stau, Abgase dringen durch alle Fenster und ich setze die Atemmaske auf. Endlich am Ratnapark, einer der großen Busstationen in Kathmandu, angekommen warten wir 10 Minuten auf weitere Fahrgäste. Verkäufer kommen mit Erdnüssen oder Bananen an die Fensterscheiben und bieten ihre Ware an. Der Busfahrer stellt nicht den Motor ab, sondern spielt die ganzen 10 Minuten lang mit dem Gas. Fährt 20cm vor, bremst, nochmal 10cm, bremst und so weiter und so weiter. Mit jedem Motoraufhäulen stößt das 30 Jahre alte Modell eine schwarze Rußwolke aus. Benzin ist ja genug da und Luftverschmutzung gibt es auch keine in Kathmandu, es ist also durchaus verständlich warum und weshalb. Der Zweck des Ganzen scheint wohl der zu sein, dass der Busfahrer signalisieren möchte, dass die Weiterfahrt gleich beginnt und die Fahrgäste einsteigen sollen. Die kennen die Prozedur jedoch und springen erst auf den Bus, wenn dieser tatsächlich losfährt. Die Türe bleibt selbstverständlich während der kompletten Busfahrt offen. In Patan angekommen drücke ich dem Geldeinsammler 10 Rupees in die Hand, denn alle Busfahrten innerhalb Kathmandus kosten 10 Rupees egal wie lange und wie weit. Erneut zweimaliges festes Klopfen auf die Tür und der Bus lässt mich in einer schwarzen Abgaswolke zurück.
Willkommen auf unserer Seite!
Wir sind 2 Freiwillige aus Deutschland, die ab September 2009 für ein Jahr in einem Kinderzentrum in Nepal arbeiten werden.
Auf dieser Seite werden wir über unsere Erfahrungen berichten und somit Nepal aus einer ganz anderen Perspektive vorstellen.
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Dass in Nepal, einer der ärmsten Länder dieser Welt, ein anderes Preisniveau herrscht als in europäischen Staaten ist klar, erst recht wenn man den durchschnittlichen monatlichen Gehalt von 110 Euro betrachtet. Doch selbst für viele Nepalesen sind die in unseren Augen extrem niedrigen Preise unerschwinglich – ein Drittel der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze.
In unseren ersten Wochen in Nepal haben wir vergleichsweise sehr viel Geld ausgegeben. Einfach weil wir noch nicht die lokalen Preise kannten und uns somit oft von Händlern über den Tisch ziehen lassen haben. Aber auch weil wir erst herausfinden mussten, wie man sich in Nepal kostengünstig ernährt. Bleibt man stur und behält den europäischen Speiseplan in Nepal bei, so ist es teurer in Nepal zu leben als in Deutschland. Kommt man aber damit gut zu Recht zweimal am Tag Reis mit verschiedenen Gemüsesorten zu essen, braucht man sich keine Gedanken mehr um Geldprobleme zu machen. Zurzeit gebe ich für Essen ca. 50 Cent pro Tag aus.
Die Preise variieren gerade bei Früchten je nach Saison stark. Ein Kilogramm Mandarinen kosten z.B. im Dezember und Januar 20 Cent, außerhalb der Saison das Dreifache. Doch um ganz einfach und objektiv einen Eindruck zu bekommen hier eine kleine Preisliste aus dem Alltag:
- 20kg Reis: 15 €
- 1 kg Kartoffeln: 0,25 €
- 1kg Blumenkohl: 0,20€
- 1 kg Tomaten: 0,25 €
- 20 l Trinkwasser: 0,50 €
- 1 l Milch zum abkochen: 0,40 €
- 1 l Milch im Tetrapack: 1,50 €
- 200g nepalesische Yakbutter: 0,80 €
- 200g europäische Kuhbutter: 4,50 €
- 500g nepalesischer Käse: 2,50 €
- 500g europäischer Cheddar: 8,50 €
- 15 kleine Bananen: 0,40 €
- Tafel Schokolade: 1,40 €
- Restaurantbesuch für 2 Personen: 3-6 €
- Busfahrt innerhalb Kathmandus: 0,10 €
- Busfahrt außerhalb Kathmandus von 2 Stunden: 0,20 €
- Taxifahrt von 10min: 1 €
- Tageszeitung: 0,10 €
- Herrenhaarschnitt: 0,40 €
- T-Shirt: 1,30 €
- DVD oder Musik CD (mit 100%iger Wahrscheinlichkeit nicht original): 1 €
- 1 l Benzin: 0,75 €
Dies ist der erste Artikel einer hoffentlich längeren Reihe, in der der deutsche mit dem nepalesischen Alltag verglichen wird. Denn an simplen und scheinbar nichtigen Situationen lässt sich das Land viel besser erklären als in langen Texten über Geschichte und Kultur. Hier also das erste Beispiel:
In Deutschland ist es mir vorheriges Jahr passiert, dass der hintere Zahnkranz meines Fahrrads ausgetauscht werden musste. Ich bin also zum Fahrradhändler gefahren und habe ihm das Problem erklärt. Die Antwort war etwa Folgende: „Das Ritzelpaket muss erst bestellt werden. Doch die Firma hat zurzeit zu viele Aufträge, deswegen kann es schon ein oder zwei Wochen dauern bis das passende Teil da ist. Sie können Ihr Fahrrad solange hier lassen, wir rufen Sie an, sobald es fertig ist. Das Ritzelpaket kostet 50 Euro, das Einbauen weitere 20 Euro.“
In Nepal hatte ich vor zwei Wochen das gleiche Problem, also suchte ich auch dort eine Fahrradwerkstatt auf. Das ist schon einmal relativ einfach, denn die gibt es überall – alle 400m kommt die Nächste. Im gebrochenen Nepali unterstützt mit wildem Gestikulieren verstand der Mechaniker recht schnell mein Problem. Er schickte seinen Lehrling mit dem Rad los um das Ersatzteil zu holen, er selbst begann mit dem Ausbau des defekten Teils. Kaum war dies geschehen, war auch schon das Ersatzteil da. Einbauen, Fahrrad wieder zusammensetzen, fertig. Die ganze Aktion dauerte keine 10 Minuten. „325 Rupien bitte. 300 für das Ritzelpaket und 25 Rupien fürs Einbauen.“ 325 Rupien entsprechen in etwa 3 Euro.
Seit Mitte Januar sind Winterferien in Nepal. Unsere Kinder gehen also nicht zur Schule und haben keine Hausaufgaben auf, bei denen wir ihnen helfen können. Wir haben wieder einmal gegrübelt was wir stattdessen einen Monat lang mit den Kindern unternehmen. Und dann kam uns die Idee. Wir zeigen den Kindern wie man Fahrrad fährt. Gleich am nächsten Tag sind wir losgezogen und haben einen kleinen grünen Drahtesel mit Stützrädern für gerade einmal 30 Euro gekauft. Die Begeisterung, die dieses kleine Ding unter den Kindern ausgelöst hat, konnten wir nicht erahnen.
Schon als wir mit dem Fahrrad durch das Eingangstor des Kinderzentrums traten, kamen uns die Kinder rennend entgegen. „Saikal!, Saikal!, Saikal!“ (das nepalesische Wort für Fahrrad, abgeleitet von bicycle) schallte es aus allen Ecken. Um etwas Ordnung in die anfängliche Euphorie zu bekommen, teilten wir die Meute in Gruppen mit je gleicher Körpergröße auf und entwarfen einen Stundenplan, wann welche Gruppe an der Reihe ist.
Ohne jegliche Vorerfahrung mit Dreirädern oder Ähnlichem, fiel es den Kindern natürlich am Anfang recht schwer sich irgendwie auf diesem Gefährt zu halten und dabei auch noch voran zu kommen. Doch nach Trockenübungen auf einem alten Rad, auf dem allein die Pedalbewegungen trainiert werden konnten und nach ein bisschen Übung machte jeder schon bald große Fortschritte.

Das größte Problem, das wir nicht bedacht hatten war das Schuhwerk. Die Kinder besitzen nur 40 Cent teure Sandalen, die schon mehrere Jahre alt sind und jeden Tag getragen werden. Man kann sich leicht vorstellen, dass damit kein richtiger Halt auf den Pedalen herrscht. Aber da die Fußsohlen und Hornhaut der Kinder fast dicker sind als die Schuhsohlen selbst, klappt das Ganze auch barfuß sehr gut.
Wir haben uns das Ziel gesetzt, dass alle Kinder nach den Winterferien ohne Stützräder Radfahren können. Wenn man den Stolz in ihren Augen und den Ehrgeiz sieht, den die Kleinen an den Tag legen, haben wir wirklich die geringsten Bedenken dieses Ziel zu erreichen.
Fotos unter: http://www.yamajola-nepal.de/de/?page_id=277