Archiv für die Kategorie 'Unser Leben'

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Ein Jahr in Zahlen

Heute mal etwas fuer Statistiker und Zahlenverrueckte. Die Stichpunkte sind ohne Ordnung und ohne jeglichen Sinn zusammengestellt. Nach Durchwelzen des Tagebuchs und fleissigem Kalkulieren ist das dabei rausgekommen:

In den letzten 12 Monaten in Nepal habe ich….

  • 50 kg Reis und nur 0,2 kg Fleisch gegessen.
  • 2600 km mit dem Fahrrad in Kathmandu zurueckgelegt.
  • Gefuehlte 2 kg Feinstaub inhaliert.
  • Einmal aufgrund von auf Elefanten reitenden Transen im Stau gestanden.
  • Im Dezember eine Durchschnittstemperatur von 12 Grad Celsius und im Mai durchschnittlich 28 Grad Celsius IN DER WOHNUNG gehabt.
  • Auf 4150 Meter Hoehe (Annapurna Base Camp) und auf 67 Meter Hoehe (Birganj) gestanden.
  • 9 Mal Durchfall und 2 Mal Wuermer gehabt.
  • 1026 nepalesische Vokabeln gelernt.
  • 14 Mal die grosse Stupa von Bouddha besucht.
  • 11 Buecher gelesen.
  • 540 Mal Stromausfall (ca. 2000 Stunden) mit 17 Stunden pro Tag im Dezember gehabt.
  • 5238 Bilder geschossen.
  • 17 Tage Bandha (Streik), davon einmal 7 Tage am Stueck, miterlebt.
  • 32 Blog-Artikel geschrieben.

Geschrieben von manuel am 26. August 2010 | Abgelegt unter Unser Leben | Keine Kommentare

Wie man merkt, dass…

Wie man merkt, dass man zu lange im Ausland war…

  • wenn Europaeer auf einmal exotisch und fremd wirken.
  • wenn man kaum noch Deutsch hoert, spricht, liest und denkt.
  • wenn man Hupen nur noch als permanentes Nebengeraeusch wahrnimmt.
  • wenn saemtliche Verkehrsregeln nur noch irgendwo im Unterbewusstsein existieren.
  • wenn man mindestens sieben mal pro Woche Reis isst.
  • wenn man, falls an einem Tag kein Reis gekocht wird, denkt: “Ich habe schon lange kein Reis mehr gegessen.” (das klingt bescheuert, ist aber wirklich wahr!)
  • wenn man im Gebaeude der deutschen Botschaft ueber ordentliche Waende und rechte Winkel zwischen den Waenden begeistert ist.

Wie man merkt, dass man wieder zurueck moechte…

  • wenn man fuenf Wochen vor der Abreise schon mal Probe packt.
  • wenn man sich in der deutschen Baeckerei einen Brezel und einen Krapfen (Kreppel, Berliner, Pfannkuchen oder wie sie sonstwo noch heissen) mit Erdbeermarmelade kauft.
  • wenn man einmal pro Tag “Fuerstenfeld” (I will wieder ham…) von STS hoert.
  • wenn man das heutejournal mit Claus Kleber vermisst. (gibts das eigentlich noch???) oder sich bei Stromausfall um zehn Uhr in Nepal denkt: “Jetzt laufen auf Pro7 die Simpsons.”
  • wenn man sich ausmalt, was man als erstes, zweites und drittes isst, sobald man wieder in Deutschland ist.
  • wenn man solch einen Artikel in seinen Blog schreibt.

Geschrieben von manuel am 4. August 2010 | Abgelegt unter Unser Leben | 1 Kommentar

weil ich weiss bin…

„Duita eksenabbe“, „duita eksenabbe“ (zwei fuer 190) ruft der Strassenverkaeufer den Passanten zu. Ich schaue interessiert und frage ihn auf Englisch wie viel denn ein T-Shirt koste. „350 Rupees.“ Kommt schnell die Antwort.

Manchmal erlaube ich mir diesen Spass, einfach nur um herauszufinden, ob er den doppelten, dreifachen oder fuenffachen Preis fuer einen Weissen verlangt. Welcher Tourist spricht schon Nepali? Und was unterscheidet mich von einem Touristen?

Doch es ist nicht immer lustig, oft sogar nervenaufreibend. Manche Obsthaendler und Gemueseverkaeufer wollen nach einer halben Ewigkeit Verhandlung auf Nepali nicht einmal 50 Prozent Aufschlag akzeptieren, sondern beharren auf ihren doppelten Preis. Wie ein ungeschriebenes Gesetz gibt es unter den Haendlern Nepali-Preise und Weisse-Preise, ganz zu schweigen von den Souvenirshops in Touristenvierteln.

Auch die vielen Hippies, die in den 70er Jahren scharenweise nach Kathmandu pilgerten und einige von ihnen sogar auf der Strasse landeten und bettelten; selbst sie konnten das Vorurteil vom reichen Weissen nicht verdraengen.

Habe ich mich bereits an die speziellen Preise gewoehnt, an die Fremdenfeindlichkeit oder an den Rassismus mancher Nepalesen kann ich mich nie gewoehnen. „Khuire!“, seitdem ich dieses abfaellige Wort fuer westliche Auslaender kenne, hoere ich es staendig. Kinder und Erwachsene, Haendler und Polizisten, sie alle sagen es nach dem Motto: Der dumme Auslaender versteht uns ja sowieso nicht.

Ich stehe also am Strassenrand und versuche die Aepfel auf den doppelten Nepali-Preis herunterzuhandeln. „Hey Khuire!!!“ schallt es von hinten. Ich drehe mich um. Ein Junge im vorbeifahrenden Schulbus hatte sich den „Spass“ erlaubt. Zwanzig Kinder zeigen mit dem Finger auf den „Khuire“ und lachen mich aus.

Teilweise schlagen solche Erlebnisse ganz schoen auf die Stimmung, gerade wenn man hier sozial taetig ist ohne Gehalt. Weil man anders aussieht, wird man immer anders bleiben. Eine voellige Integration ist auch im globalisierten 21. Jahrhundert nicht moeglich.

Doch dann bin ich wieder froh solche Erfahrungen gemacht zu haben. Erst jetzt verstehe ich es wirklich, was es heisst in Deutschland als „Neger“, „Nigger“, „Schlitzi“ oder „Japse“ bezeichnet zu werden.

Geschrieben von manuel am 7. Juli 2010 | Abgelegt unter Nepalinfos, Unser Leben | Keine Kommentare

Kurz mal nach Indien – Part 2

Wir ließen also Kolkatta hinter uns und stiegen in den Zug nach Baleshwar in Orissa. Dort in der Nähe war nämlich unser Seminarzentrum – mitten im Nichts. Die Straße, die dorthin führt ist immerhin eine Autobahn, sowas sind wir aus Nepal gar nicht mehr gewöhnt, auch wenn unser Taxi auf der Autobahn höchstens auf 60km/h beschleunigen konnte. Aber wie schon gesagt, für eine Woche lebten wir sehr ruhig – abgeschieden von Städten und größeren Orten. Die Menschen, die in den umliegenden Ortschaften wohnen, leben unter so einfachen Bedingungen, wie ich es noch nie in meinem Leben vorher gesehen hatte. Lehmhütten, bedeckt mit Stroh, Vieh und Felder; so lässt sich die Gegend in kurzen Worten beschreiben, denn viel mehr gibt es auch nicht. Als wir einmal einen Rundgang in der Umgebung machten, sind die Dorfbewohner natürlich gleich aufmerksam geworden und es hat nicht lange gedauert, da folgte uns eine Schar aus 30 bis 40 Menschen, vor allem Kinder, auf Schritt und Tritt.

010 village

Unser Seminarzentrum ist eigentlich eine Augenklinik und das Anwesen wird nach gandhianischen Regeln geführt, was so viel heißt, dass Alkohol, Zigaretten und Drogen strengstens verboten sind, dass jeder seine kleinen alltäglichen Arbeiten selbst verrichten muss, wie zum Beispiel Abspülen usw… Die Häuser sind natürlich unklimatisiert, was eigentlich kein Problem ist, doch bei über 40° tagsüber zum schweißtreibenden Problem wird. Ich hätte nicht gedacht, dass Hitze einen so auslaugen kann. Die Konzentration und Denkfähigkeit sinkt und körperliche Tätigkeiten werden zur Qual – also optimale Bedingungen für ein Seminar. Dass wir hier im Dschungel waren, hatte ich spätestens am zweiten Tag gemerkt, als auf dem Fußabstreifer vor unserer Tür eine Schlange lag. Ich behielt die für das Seminarzentrum typische gandhianische Ruhe und merkte schnell, dass sie schon tot war. Tot oder lebendig, es gibt sie also hier, genauso wie handballengroße Spinnen, die wir drei Tage später in einem anderen Zimmer entdeckten.

Ein weiteres Highlight war unser Ausflug ans Meer. Der indische Ozean ist nicht weit und eine Tagestour lohnt sich allemal, allein schon um die frische salzige Meeresluft zu genießen. Baden konnten wir jedoch nicht, dafür kam die Flut zu schnell auf uns zu. Auf der Heimreise nach Kathmandu machte ich mit noch zwei weiteren Voluntären einen Stop in Bodh-Gaya, dem Ort, an dem Buddha die Erleuchtung gefunden hatte. Ein wunderschönes spirituelles Örtchen, das Tempeln aus aller Welt beheimatet. Am Bodhibaum versuchten auch wir in Meditationshaltung unser Glück, doch die Erleuchtung ist leider noch nicht eingetreten.

Bilder unter: http://www.yamajola-nepal.de/de/?page_id=334

Geschrieben von manuel am 18. April 2010 | Abgelegt unter Unser Leben | Keine Kommentare

Kurz mal nach Indien – Part 1

So schnell kann es gehen; die Hälfte unseres Dienstes in Nepal ist schon vorüber. Für uns heißt das zudem, dass wir auf ein Zwischenseminar unserer Organisation müssen. Dieses dauerte vom 25 März bis zum 1. April. Erfahrungen mit anderen Volontären wurden ausgetauscht, Pläne für die Zukunft geschmiedet und natürlich ein Resumeé der vergangen sechs Monate gezogen. Über das Seminar an sich möchte ich aber in diesem Artikel gar nicht schreiben, viel spannender ist nämlich, dass dieses Seminar in Indien war und wir die Zeit genutzt haben, das Land näher kennen zu lernen oder wenigstens einen kurzen Einblick zu bekommen. Denn Indien ist so vielfältig, dass es schon an eine Beleidigung grenzt, nach zwei Wochen zu sagen: „Ich kenne Indien.“ Um dem riesigen Land wenigstens ein klein wenig gerecht zu werden, habe ich den Artikel in zwei relativ ausführliche Hälften geteilt.

Fast jeder der Freiwilligen in Nepal hat eine andere Route genommen, deshalb kann ich hier auch nur von meiner Reise erzählen. Zusammen mit weiteren vier Volontären bin ich mit dem Bus an die indische Grenze gefahren und von dort mit dem Zug weiter nach Kolkatta (Kalkutta). Allein die Zugfahrt ist schon ein Erlebnis. Wir sind im unklimatisierten Sleeper-Abteil gefahren, das ist das zweitbilligste was man bekommen kann. Warum wir das gemacht haben weiß ich auch nicht genau, aber immerhin haben wir so die Zugfahrt noch intensiver erlebt. Auf dem Raum, was man in Deutschland ein Viererabteil nennt, tümmeln sich hier zwischen sechs und 15 Personen – neben und übereinander, denn über den Sitzplätzen sind Schlafplätze. Von einer ruhigen Zugfahrt ist kaum zu sprechen, denn es ist immer Etwas los: Unzählige Verkäufer drängen sich durch den Zug und preisen lautstark ihre Ware an, Bettler kommen vorbei, Transvestiten singen Lieder, usw. Allein über die Zugfahrt könnte man einen eigenen Artikel schreiben also fasse ich sie kurz in drei Wörtern zusammen: laut, heiß und ungemütlich.

001 train to Kolkatta Nach 18 Stunden sind wir dann in Kolkatta angekommen. Die Hitze erschlug uns. Wir taumelten durch die Stadt immer auf der Suche nach einem klimatisierten Ort, an dem wir kurz rasten können. Laut Wetterbericht des BBC war Kolkatta zu der Zeit mit 41° im Schatten die heißeste Stadt auf dem Erdballen. Selbst Mittelamerika und Afrika konnten mithalten. In der Sonne war es wirklich kaum auszuhalten.

All unsere Befürchtungen über Indien haben sich nicht bestätigt. Von vielen Indienreisenden wurde uns berichtet, dass Nepal ein „Softindia“ wäre. Gleiche Kultur nur nicht so arm und verschmutzt wie Indien. Doch ich kann nur sagen, dass man deutlich den Entwicklungsunterschied sieht. In Indien gibt es richtige Straßen, sogar mit mehr Struktur und Regeln als in Nepal. Es gibt Supermärkte, richtige Autos und wesentlich mehr Strom. Auch wenn ich nur die Innenstadt Kolkattas gesehen habe, war sie wesentlich sauberer als das was ich aus Kathmandu gewöhnt war. Ich bin mir aber sicher, dass es noch ganz andere Seiten dieser Megastadt gibt, welche einem Touri, der nur zwei Tage in Kolkatta bleibt, jedoch verborgen bleiben.

Bilder unter: http://www.yamajola-nepal.de/de/?page_id=320

Geschrieben von manuel am 11. April 2010 | Abgelegt unter Unser Leben | Keine Kommentare

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