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Warum Nepalesen Hakenkreuz-Shirts tragen

Die T-Shirt-Variation in Kathmandu ist immens und ohne Achtung vor politischer Korrektheit ist auch alles erlaubt.

Dass Che Guevara und Hitler grundverschieden sind, wissen die Wenigstens und so werden politische Systeme und Figuren auf der Brust zur Schau getragen. Es gibt sogar ein T-Shirt auf dem all die Flaggen der brutalsten Regime, die die Welt bislang gesehen hat, versammelt sind: Sowjetunion, Hitler-Deutschland, die DDR, die Volksrepublik China, Nordkorea, usw. Als waeren es Blumen oder Karomuster.

Der absolute Renner ist jedoch das Hakenkreuz-Shirt. Ja, ja! Werden jetzt Einige sagen. Das Svastika ist sowohl ein hinduistisches sowie buddhistisches Glueckssymbol. Und in Nepal bekennen sich mehr als 90% der Bevoelkerung zu den beiden Religionsgruppen. Doch wenn das schwarze Hakenkreuz auf weissem Grund mit roter Umrandung und braunem Hintergrund manchmal sogar mit einem breitfluegligen Adler gekroent ist, interpretiere ich das nicht als Ausdruck religioeser Ausuebung.

Trotz dieser Auswuechse gibt es natuerlich auch das „andere Hakenkreuz“, welches man ueberall, aber auch wirklich ueberall findet: Auf der Haustuere und an offiziellen Gebaeuden, auf Reissaecken und Erdnusspackungen, an Tempeln und Schreinen, auf Quittungen und Buechern, sie prangern gross auf Tanklastern und Trucks, ja sogar auf Muelleimern. Unvertraut ist das Symbol also nicht und vielleicht macht gerade die Mischung aus Vertrautheit und Halbwissen aus BBC-Dokus (zudem noch auf Englisch)  ueber den zweiten Weltkrieg den Charme eines Nazi-Shirts aus. Europaeische Geschichte wird in den Schulen Nepals kaum gelehrt.

Es kommt nicht gerade selten vor, dass man gefragt wird: „Oh, sie kommen aus Deutschland. Sie sind bestimmt sehr stolz auf Hitler, oder?“ „Nein, bin ich nicht.“ Gebe ich platt zur Antwort. „Waeren Sie auf jemanden stolz, der Verantwortung am Tod von mehr Menschen traegt, als in gesamt Nepal leben?“ „Mhmm, in BBC haben sie das glaub’ ich nicht erwaehnt…“

Geschrieben von manuel am 12. August 2010 | Abgelegt unter Ländervergleich | 1 Kommentar

Laendervergleich Nr. 3 – Einkaufen

Kathmandu ist ein einzig grosses Einkaufszentrum. Man fragt sich, wie all die kleinen und grossen Haender und Verkaeufer Gewinn machen oder ueberhaupt die laufenden Kosten decken koennen. Kathmandu quirlt ueber von Geschaeften in allen Groessen und Formen. Vom Strassenverkaeufer, der auf einem Tablett einzelne Zigaretten und Bonbons ausbreitet, die er fuer 1 Cent das Stueck verkauft, bis zum fuenfstoeckigen Warenhaus mit Plasmafernseher fuer 15.000 Euro.

Doch immerhin ist das “Einkaufszentrum Kathmandu” in Abteilungen unterteilt. Wenn ich zum Beispiel von meiner Wohnung aus zur Post laufe, finde ich zuerst einen Tee-Laden nach dem anderen. In der naechsten Strasse kommt Gemuese und danach Fisch und Fleisch. Das Fleisch wird hier aus offen liegenden Ochsen, Ziegen und Schweinen inmitten von Autoabgasen und Fussgaengergedraenge herausgeschnitten. Wer schon immer einmal Vegetarier werden wollte, dem kann ich einen Rundgang in dieser Strasse nur herzlichst empfehlen. Bei mir hat es zumindest funktioniert.

Der Fleisch- und Fischstrasse schliessen sich Unmengen von Schuh- und Bekleidungslaeden an. Das komisch dabei: Wirklich jeder verkauft die gleiche Ware. Das beste Beispiel ist die Kathmandu-Mall. Vor diesem vierstoeckigen Gebaeudekomplex verkaufen Strassenhaendler ihre gefaelschten T-Shirts und Hosen aus China fuer Spottpreise. Innen haengen die gleichen T-Shirts in 50 unabhaengigen Geschaeften ordentlich auf Kleiderbuegel zwischen Spiegeln und Schaufensterpuppen. Fuer den Luxus von Spiegeln, Puppen und Buegeln bezahlt man hier den fuenf- bis zehnfachen Preis. Man stelle sich das einmal in Deutschland vor: Ein Einkaufszentrum nur mit H&Ms, einem nach dem anderen.

Im Touristenviertel Thamel herrscht das gleiche System, nur mit Trekkingausruestung, Buchlaeden, nepalesischem Handwerk und Hippybekleidung. Kilometerweit immer schoen der Reihe nach: Schlafsaecke, Buecher, Buddhas…

Das unlogische bekommt erst eine Logik, wenn man Kathmandu wirklich als ein Einkaufszentrum betrachtet. Fragt man hier nach Schuhen heisst es eben nicht: “Im dritten Stock linke Seite.” Sondern “im naechsten Stadtviertel, die ersten vier Strassen.”

Geschrieben von manuel am 14. Juli 2010 | Abgelegt unter Ländervergleich | Keine Kommentare

Fussballweltmeisterschaft in Nepal

Es ist schon merkwuerdig eine WM in einem Land zu verfolgen, das niemals bei einer Fussballweltmeisterschaft mitgespielt hat und auch in absehbarer Zeit nicht mitspielen wird. Die Nepalesen sind sich dessen natuerlich bewusst und finden eine andere Loesung DAS international Turnier zu geniessen. Jeder Nepalese, jede Nepalesin sucht sich ein oder zwei Teams aus, das er oder sie waehrend der WM lautstark unterstuetzt. Dies ist in 90 Prozent der Faelle Brasilien oder Argentinien; wer will schon zu den Verlierern gehoeren. Doch auch europaeische Mannschaften wie Deutschland, England oder Frankreich werden unterstuetzt.

Waehrend in Deutschland das sogenannte “puplic viewing” in den letzten Jahren zum Trend wurde, gab es in Nepal noch nie etwas anderes. Da viele Familien keinen eigenen Fernseher besitzen wird dort geschaut, wo einer ist. Das ist entweder in der Kneipe, in ein paar winzigen Lebensmittelgeschaeften oder in Hotels.

Ich selbst besitze auch keinen Fernseher und durch die drei Stunden 45 Minuten Zeitverschiebung sind mir viele Spiele einfach zu spaet. Doch anhand der Aufschreie waehrend der 90 Minuetigen Spielzeit kann man mit etwas Geschick leicht die Anzahl der geschossenen Tore herausfinden.

Was das Fussballspielen an sich angeht, so erlebt es in Nepal zurzeit einen unglaublichen Boom. Die Faszination begeistert vor allem Kinder, die auf der Strasse oder auf Schotterplaetzen (einen Rasen findet man nirgends) mit dem Ball kicken. Sogar buddhistische Moenche lassen sich neben der Mediation und dem Rezitieren von heiligen Texten, den Spass nicht nehmen in ihren dunkelroten Roben dem Ball hinterherzujagen.

Und vielleicht schafft es ja Nepal irgendwann zu einer WM zu fahren. An Begeisterung mangelt es sicher nichtt.

Geschrieben von manuel am 22. Juni 2010 | Abgelegt unter Ländervergleich | 3 Kommentare

Ländervergleich Nr. 2 – Busfahren

Nach fast einem halben Jahr in Kathmandu mit seinem chaotischen Nahverkehr erinnert man sich manchmal an das geregelte System in Deutschland und stellt dann fest, dass es wirklich kaum Übereinstimmungen gibt.

In Kathmandu gibt es grob gesagt drei verschiedene Arten von öffentlichen Verkehrsmitteln: Bus, Microbus und Tuck-Tuck, der Größe nach geordnet. Wie viele Personen mit den jeweiligen Vehikeln transportiert werden können ist schwer zu sagen weil irgendwie immer mehr Fahrgäste reinpassen als man sich vorstellen kann. Das hört paradox an, aber es ist wirklich wahr. Es kommt sehr selten vor, dass ein Bus an einer Gruppe Menschen vorbeifährt weil er überladen ist. Man befindet sich also in einem Bus und kann sich kaum mehr bewegen, weil die offiziell maximale Zahl an Personen, die der Bus befördern darf, schon um das Doppelte ausgereizt wurde. Der Bus hält an, keiner steigt aus, doch fünf weitere Personen steigen ein und alles was man mitbekommt ist, dass sich der spitze Ellbogen des Nachbarn ein klein wenig weiter in den Rücken bohrt.

Doch fangen wir von vorne an: Ich stehe an der Bushaltestelle am Ganeshtempel und wartet auf den Bus nach Patan. Es gibt natürlich keinen Fahrplan, doch alle fünf Minuten kommt ein Bus, auf dem der Zielort in Nepali geschrieben steht. Zusätzlich ruft der Geldeinsammler in einer von Abgasen gereizten und rauen Stimme die Zwischenstationen „Ratnapark, Sundhara, Kopundol“ ein Pfiff und wieder „Ratnapark, Sundhara, Kopundol“ Pfiff „Ratnaparkratnaparkratnapark“, alle Fahrgäste steigen ein, der Geldeinsammler klopft zweimal lautstark an die Bustür und der Busfahrer drückt das Gaspedal durch. Los geht’s! Die Sitze sind für Nepalis bemessen, dementsprechend schlagen während der Fahrt die Knie durchweg an den Vordersitz. Der Bus gerät in einen Stau, Abgase dringen durch alle Fenster und ich setze die Atemmaske auf. Endlich am Ratnapark, einer der großen Busstationen in Kathmandu, angekommen warten wir 10 Minuten auf weitere Fahrgäste. Verkäufer kommen mit Erdnüssen oder Bananen an die Fensterscheiben und bieten ihre Ware an. Der Busfahrer stellt nicht den Motor ab, sondern spielt die ganzen 10 Minuten lang mit dem Gas. Fährt 20cm vor, bremst, nochmal 10cm, bremst und so weiter und so weiter. Mit jedem Motoraufhäulen stößt das 30 Jahre alte Modell eine schwarze Rußwolke aus. Benzin ist ja genug da und Luftverschmutzung gibt es auch keine in Kathmandu, es ist also durchaus verständlich warum und weshalb. Der Zweck des Ganzen scheint wohl der zu sein, dass der Busfahrer signalisieren möchte, dass die Weiterfahrt gleich beginnt und die Fahrgäste einsteigen sollen. Die kennen die Prozedur jedoch und springen erst auf den Bus, wenn dieser tatsächlich losfährt. Die Türe bleibt selbstverständlich während der kompletten Busfahrt offen.  In Patan angekommen drücke ich dem Geldeinsammler 10 Rupees in die Hand, denn alle Busfahrten innerhalb Kathmandus kosten 10 Rupees egal wie lange und wie weit. Erneut zweimaliges festes Klopfen auf die Tür und der Bus lässt mich in einer schwarzen Abgaswolke zurück.

Geschrieben von manuel am 15. Februar 2010 | Abgelegt unter Ländervergleich | Keine Kommentare

Ländervergleich Nr. 1 – Fahrradhändler

Dies ist der erste Artikel einer hoffentlich längeren Reihe, in der der deutsche mit dem nepalesischen Alltag verglichen wird. Denn an simplen und scheinbar nichtigen Situationen lässt sich das Land viel besser erklären als in langen Texten über Geschichte und Kultur. Hier also das erste Beispiel:

 

In Deutschland ist es mir vorheriges Jahr passiert, dass der hintere Zahnkranz meines Fahrrads ausgetauscht werden musste. Ich bin also zum Fahrradhändler gefahren und habe ihm das Problem erklärt. Die Antwort war etwa Folgende: „Das Ritzelpaket muss erst bestellt werden. Doch die Firma hat zurzeit zu viele Aufträge, deswegen kann es schon ein oder zwei Wochen dauern bis das passende Teil da ist. Sie können Ihr Fahrrad solange hier lassen, wir rufen Sie an, sobald es fertig ist. Das Ritzelpaket kostet 50 Euro, das Einbauen weitere 20 Euro.“

In Nepal hatte ich vor zwei Wochen das gleiche Problem, also suchte ich auch dort eine Fahrradwerkstatt auf. Das ist schon einmal relativ einfach, denn die gibt es überall – alle 400m kommt die Nächste. Im gebrochenen Nepali unterstützt mit wildem Gestikulieren verstand der Mechaniker recht schnell mein Problem. Er schickte seinen Lehrling mit dem Rad los um das Ersatzteil zu holen, er selbst begann mit dem Ausbau des defekten Teils. Kaum war dies geschehen, war auch schon das Ersatzteil da. Einbauen, Fahrrad wieder zusammensetzen, fertig. Die ganze Aktion dauerte keine 10 Minuten.  „325 Rupien bitte. 300 für das Ritzelpaket und 25 Rupien fürs Einbauen.“ 325 Rupien entsprechen in etwa 3 Euro.

Geschrieben von manuel am 29. Januar 2010 | Abgelegt unter Ländervergleich | Keine Kommentare

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