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Vier neue Computer und jede Menge Fussball

Unser Arbeitsfeld im Kinderheim wechselt staendig. Zuerst haben wir Kindergartenkinder unterrichtet, danach jede Menge Renovierungsarbeiten am Gebaeude uebernommen, ein Klassenzimmer eingerichtet und darin die dritte, vierte und fuenfte Klasse in Englisch und Mathematik unterrichtet und nun sind vier niegelnagelneue Computer angekommen. Klar, dass die genutzt werden sollen. Der Andrang unter den Kindern, die bislang noch nie in Beruehrung mit Computern gekommen sind, ist enorm. Waehrend ich Grundkenntnisse und das Zehnfingersystem den Kindern beibringe, unterrichtet John Englisch. Das alles nach einem festen Stundenplan. Ich haette nie gedacht, dass in diesem Chaos mal ein richtiges System entstehen kann, doch es funktioniert.

Ausserdem ist die Fussballbegeisterung waehrend der WM auf ein kaum noch kontrollierbares Niveau gestiegen. Damit die Kinder nicht barfuessig oder mit Flip-Flops den Ball hin und her kicken, haben wir 14 Paar Fussballschuhe gekauft.

Fussball sorgt also fuer den Ausgleich zwischen Englisch und Computer. Nach wochenlangem Training gab es dann auch endlich das erste Fussballspiel gegen ein anderes Kinderheim. Das spannende Kraeftemessen konnte erst im Elfmeterschiessen entschieden werden – natuerlich fuer uns!

Erst nach neun Monaten in Nepal habe ich das Gefuehl anstaendige Arbeit zu leisten die sich lohnt. Zudem oder gerade deshalb bereitet sie mehr Spass als all die Monate zuvor. Natuerlich war die Renovierung noetig, genauso wie die Zeit sich in das Projekt einzufinden. Die Sprache ist dabei ein enorm wichtiger Faktor. Erst wenn man sich auf einfacher Weise mit den Kindern in ihrer Sprache verstaendingen kann, ist es moeglich eine Beziehung mit ihnen aufzubauen, die essentiell ist fuer unseren Dienst. Doch, dass es wirklich so lange dauert, haette ich beiweilen nicht geglaubt. Nun sind nur noch etwas mehr als zwei Monate uebrig, die so intensiv genutzt werden wollen wie moeglich. Auf geht’s zum Endspurt!

Geschrieben von manuel am 30. Juni 2010 | Abgelegt unter Projekt | Keine Kommentare

Saikal Saikal

Seit Mitte Januar sind Winterferien in Nepal. Unsere Kinder gehen also nicht zur Schule und haben keine Hausaufgaben auf, bei denen wir ihnen helfen können. Wir haben wieder einmal gegrübelt was wir stattdessen einen Monat lang mit den Kindern unternehmen. Und dann kam uns die Idee. Wir zeigen den Kindern wie man Fahrrad fährt. Gleich am nächsten Tag sind wir losgezogen und haben einen kleinen grünen Drahtesel mit Stützrädern für gerade einmal 30 Euro gekauft. Die Begeisterung, die dieses kleine Ding unter den Kindern ausgelöst hat, konnten wir nicht erahnen.

Schon als wir mit dem Fahrrad durch das Eingangstor des Kinderzentrums traten, kamen uns die Kinder rennend entgegen. „Saikal!, Saikal!, Saikal!“ (das nepalesische Wort für Fahrrad, abgeleitet von bicycle) schallte es aus allen Ecken. Um etwas Ordnung in die anfängliche Euphorie zu bekommen, teilten wir die Meute in Gruppen mit je gleicher Körpergröße auf und entwarfen einen Stundenplan, wann welche Gruppe an der Reihe ist.

Ohne jegliche Vorerfahrung mit Dreirädern oder Ähnlichem, fiel es den Kindern natürlich am Anfang recht schwer sich irgendwie auf diesem Gefährt zu halten und dabei auch noch voran zu kommen. Doch nach Trockenübungen auf einem alten Rad, auf dem allein die Pedalbewegungen trainiert werden konnten und nach ein bisschen Übung machte jeder schon bald große Fortschritte.

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Das größte Problem, das wir nicht bedacht hatten war das Schuhwerk. Die Kinder besitzen nur 40 Cent teure Sandalen, die schon mehrere Jahre alt sind und jeden Tag getragen werden. Man kann sich leicht vorstellen, dass damit kein richtiger Halt auf den Pedalen herrscht. Aber da die Fußsohlen und Hornhaut der Kinder fast dicker sind als die Schuhsohlen selbst, klappt das Ganze auch barfuß sehr gut.  

Wir haben uns das Ziel gesetzt, dass alle Kinder nach den Winterferien ohne Stützräder Radfahren können. Wenn man den Stolz in ihren Augen und den Ehrgeiz sieht, den die Kleinen an den Tag legen, haben wir wirklich die geringsten Bedenken dieses Ziel zu erreichen.

 

Fotos unter: http://www.yamajola-nepal.de/de/?page_id=277

Geschrieben von manuel am 24. Januar 2010 | Abgelegt unter Projekt | Keine Kommentare

Der neue Kindergarten

„Namaste! Tapalai kasto cha?“ (Hallo! Wie geht es Ihnen?) Eine Koreanerin mit gefalteten Händen steht in der Tür des Kindergartens und begrüßt uns. Wir grüßen freundlich zurück, lernen weiter mit den Kindern und denken uns nicht viel dabei. Hier und da kommen öfters mal Touristen vorbei, die sich das Kinderheim anschauen möchten und auch Spenden in Form von Stiften und Heften geben. Doch die Koreanerin scheint doch anders als alle anderen zu sein. Und tatsächlich. Joohee wird für volle zwei Jahre hier im gleichen Projekt arbeiten wie wir, sie ist seit drei Monaten in Nepal und spricht fast fließend Nepali. Das sind wir erst einmal sprachlos. Aber das war auch nicht zu erwarten.

Hygienebewusst wie die Koreaner sind, ist sie noch mehr als wir von den Bedingungen im Kinderheim geschockt. Da sie für zwei Jahre nicht in „DIESEM“ Kindergarten arbeiten möchte, beschließt sie kurzerhand ihn, den größten Raum im ganzen Gebäude, zu renovieren. Auch wenn wir eigentlich vom Renovieren erst einmal genug haben (nur 10 Tage zuvor hatten wir das Mädchenzimmer fertig gestellt – siehe „Zimmerrenovierung“), entschließen wir uns ihr zu helfen. Da sie alle anfallenden Kosten übernehmen möchte, gibt es auch keine Probleme bezüglich unseres Etats. 

Gleich am nächsten Tag fangen wir an die alte Farbe von den Wänden abzuklopfen, doch  dann schockt uns Joohee : „Ich bin in der nächsten Woche auf einem Seminar, macht es euch etwas aus alleine weiterzuarbeiten?“ Wir lassen uns unseren Ärger nicht anmerken und bestätigen ihr, dass es OK sei. Aber zum Glück gibt es ja Suman. Suman ist mit 18 Jahren der Älteste im Kinderheim und ist ein guter Freund von uns geworden. Bevor wir ihn fragen können, sagt er schon seine Hilfe zu. In der Woche, in der Joohee weg ist, arbeiten wir Tag für Tag daran die Farbe abzuklopfen, eine richtige Sch***arbeit. Pünktlich nach dem Zementieren zum angenehmen Teil der Renovierung, dem Malen, ist Joohee aber auch schon wieder da. Zu viert geht alles sehr schnell und ein paar Tage später erstrahlt der Kindergarten in frischen Farben. Wir haben Joohee ihre Aktion verziehen und mittlerweile sind wir drei Volunteers plus Suman zu einem perfekten Quartett geworden!

007 work is finished

 Fotos unter: http://www.yamajola-nepal.de/de/?page_id=245

Geschrieben von manuel am 25. November 2009 | Abgelegt unter Projekt | Keine Kommentare

Zimmerrenovierung

In den ersten eineinhalb Wochen waren wir fast ausschließlich mit den Kindern beschäftigt – 7 Stunden am Tag, 6 Tage die Woche: Unterrichten, Spielen, Malen, Herumalbern. Doch irgendwann geht einem die Luft aus und man braucht eine Abwechslung. So haben wir im Gebäude nachgeschaut, was verbessert werden kann. Überall sind die Hygieneverhältnisse sehr schlecht, daran haben wir uns bereits gewöhnt, doch als wir in eines der vielen Schlafzimmer der Kinder angekommen sind, waren wir sichtlich geschockt. Das ganze Zimmer war von Ungeziefer befallen. Urus! Das ist der nepalesische Name für die Viecher, die ihre Nester vor allem in Ecken und Kanten ausbreiten. Urus sehen wie Wanzen oder Zecken aus und saugen sich nachts mit dem Blut der Kinder voll. Wenn diese dann morgens aufwachen, zerdrücken sie die Urus an den Wänden. Und so kommt es, dass überall, wo die Kinder die Urus noch erreichen können,  Blutspuren an den Wänden sind. Drüber sitzen dann die schwarzen Nester. Ein fürchterlicher Anblick. Kaum zu glauben, dass hier vier Kinder schlafen – Nacht für Nacht.

Wir haben nicht lange überlegt und zogen los um Gift, Werkzeug und Farbe zu kaufen. Zuerst entfernten wir die Urunester und besserten alle Stellen wieder aus. Um sicher zu stellen, dass die Urus nicht wieder zurückkehren räucherten wir das Zimmer mit Gift aus und da der Teppichboden auch von Pestiziden befallen war, kauften wir gleich einen Passenden dazu. Alles in Allem kostete uns die Renovierung 70 Euro und damit wurde unser Monatsetat von 80 Euro fast aufgebraucht. Zusammen mit den Kindern wählten wir  die Farbe der Wände aus. Da es ein Mädchenzimmer ist, wurde pink gewählt. Vier ganze Tage brauchten wir, bis wir mit dem Ergebnis zufrieden waren und die Kinder wieder in ihr Zimmer einziehen konnten. Die Mädchen waren total glücklich und stolz ihr neues Zimmer in Empfang nehmen zu können.

Fotos: http://www.yamajola-nepal.de/de/?page_id=196

Geschrieben von manuel am 9. Oktober 2009 | Abgelegt unter Projekt | 1 Kommentar

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