Unsere Wohnung
Viele wird es wahrscheinlich interessieren, wie wir hier leben, welchen Lebensstandard wir in Kathmandu haben. Wir wohnen (zurzeit noch mit Pierre, der in 2 Wochen nach Dolakha in eine Gastfamilie weiterzieht) im Bezirk Tangal, eine Gegend, in der sich nur wenige Touristen verirren, einfach weil sie keine Sehenswürdigkeiten zu bieten hat. Unsere Wohnung ist verglichen mit den allermeisten relativ nobel. Wir haben zu zweit zwei Schlafzimmer, ein Wohnzimmer, ein Bad und eine Küche. Gemessen mit europäischen Einrichtungen ist unser Zuhause allerdings natürlich recht einfach. Im Bad zum Beispiel gibt es zwar fließend Wasser (was nicht selbstverständlich ist), aus der Dusche kommt aber kein Strahl, sondern das Wasser tropft in eine umgekehrte Pet-Flasche, in dessen Deckel mehrere Löcher gestochen sind. Alternativ kann man auch mit der Schöpfkelle duschen, aber immer kalt. Bleiben wir weiter im Bad: Die Toilette ist zum Glück von der Bauart, wie wir sie gewohnt sind und nicht etwa ein einfaches Loch im Boden. Aber auch hier gibt es wieder etwas zu beachten. Das Klopapier wird nicht in das Klo geworfen, woraufhin dieses verstopfen würde, sondern als Müll in einer Tüte, die zusätzlich luftdicht in einem Eimer verschlossen wird, gesammelt. Das Wasser aus der Leitung sollte man nicht trinken. Manche nutzen es auch nicht zum Zähneputzen, doch nach einer Woche sind wir zumindest noch nicht davon krank geworden.
Die Küche ist mit einem Gasherd ausgestattet, der an einer Gasflasche angeschlossen ist. Zurzeit sieht unser Speiseplan noch ziemlich eintönig aus, was wahrscheinlich am Mangel unser Kochkünste liegt. Viel mehr als Reis oder Nudeln mit Fertigsoßen haben wir bis jetzt noch nicht hinbekommen, doch unser Nachbar Kiron möchte uns zeigen, wie man das traditionelle Dal Bhat zubereitet.
Kiron, 26 Jahre alt, wohnt mit seinen Eltern, seinem Bruder und Schwester über uns im ersten Stock und ist sehr, sehr freundlich. Am Tag unserer Ankunft ist er gleich mit uns in die Stadt gezogen und hat uns einen guten Überblick verschafft. Und sonst ist er auch bei allen Anliegen gerne bereit uns zu helfen, egal ob es sich dabei um die Wohnung selbst handelt oder um das nötige Handelsgeschick auf den Märkten. Er studierte ökologische Forstwirtschaft und dementsprechend sieht auch unser Garten aus – eine kleine Baumschule mitten im sonst so pflanzenarmen Kathmandu.
Verlassen wir unsere Wohnung begegnen wir gleich Napdog – so haben wir den Hund genannt, der in der kleinen Seitengasse vor unserer Wohnung haust. Hunde gibt es in Kathmandu zu Hauf, aber fast alle sind wild. Tagsüber sieht man sie nur schlafen und deshalb braucht man sich auch keine Sorgen machen, angegriffen zu werden. Nachts jedoch erwachen sie und verteidigen in Rudeln ihr Revier, aber nur gegenüber anderen Hunden, Menschen brauchen sich im Normalfall auch jetzt nicht beunruhigt fühlen. Es ist schon faszinierend wenn man abends auf einer Terrasse steht und die Geräusche wahrnimmt. Fängt ein Hund an zu bellen, folgen in Sekundenschnelle bestimmt 20 andere – eine nicht zu toppende Alarmanlage.