Monatsarchiv für Dezember 2009

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Maoisten und Umweltschutz

Jeder der schon einmal in Kathmandu war, weiß, dass der chaotische Verkehr unweigerlich zum Charme der Stadt beiträgt aber auch gleichzeitig eine Menge Stress und Abneigung erzeugt. Man stelle sich also Kathmandu ganz ohne Motorräder, Autos, Tuck-Tucks und Busse vor. Frei von jeglichem Smog und Lärm! Kinder spielen auf der Straße Federball und Kricket, Ehepaare und Freunde spazieren mitten auf den Hauptverkehrsadern. Keine Hektik, kein Hupen, keine Atemmasken. Einfach unvorstellbar, aber trotzdem wahr!

Genau dies geschah vom 20. bis 22. Dezember. Doch warum? Grund dafür ist ein von den Maoisten angekündigter dreitätiger Generalstreik oder „Nepal banda“ (geschlossenes Nepal) wie Nepalesen es nennen. Zurzeit sind die Maoisten zwar stark im Parlament vertreten jedoch nicht an der Regierung beteiligt. Um Aufmerksamkeit auf sich zu lenken starten sie immer wieder neue Aktionen. Sie animieren Schüler (die natürlich gerne mitmachen, da die Schule ausfällt) mit roten Fahnen und Parolen durch die Straßen zu ziehen, organisieren einen Busstreik oder wie kürzlich eben einen Generalstreik. Jegliche Fahrzeuge außer Fahrräder und Rikschas wurden verboten und alle Geschäfte hatten geschlossen – in ganz Nepal.

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Dass dies auch eingehalten wurde, dafür sorgten die Maoisten indem sie unter der Bevölkerung Angst schürten. Am 19. Dezember nach Sonnenuntergang begangen sie ihren Marsch am Singhar Durbar, dem politischen Zentrum Nepals. Eine Parolen brüllende Meute mit Fackeln und roten Fahnen breitete sich durch die Straßen Kathmandus aus und drohte jedem Ladenbesitzer das Geschäft in Schutt und Asche zu legen, falls dieser in den kommenden drei Tagen den Rollladen hochzieht. Werden Motorradfahrer bei der Fahrt erwischt, werden sie angehalten und heruntergezogen. Dass Maoisten nicht spaßen, zeigt sich an den Todesopfern der letzten Wochen sowohl auf Seiten der Polizei wie auch bei den Maoisten selbst. Trotz allem haben Zivilbevölkerung und Touristen nichts zu befürchten, wenn sie die Streiktage gemütlich angehen und sich einen schönen Tag im ruhigen und sauberen Kathmandu gönnen. So gesehen tragen die Maoisten zum Umweltschutz in Nepal bei. Die Tage gleichen den Autofreien Sonntagen in Deutschland zur Zeiten der Ölkrise.

Ölkrise ist übrigens in Nepal ständig. Zwar ist der Liter Benzin mit 75 Cent im Vergleich zu europäischen Preisen extrem günstig, doch Benzin ist immer knapp. Jeden Morgen um sieben Uhr reihen sich Taxifahrer in die hunderte Meter lange Schlange vor den Tankstellen ein um ihr Gewerbe aufnehmen zu können. Jeder der glaubt mit seinem Motorrad schneller in Kathmandu voranzukommen muss die gewonnene Zeit bestimmt durch stundenlanges Warten an der Zapfsäule einbüßen. Trotz alledem wird unglaublich oft mit dem Gas gespielt, werden unnötige Strecken zurückgelegt und sogar im Innenhof zum Spaß herumgefahren. Dieser ganze Wahn wurde für drei Tage gestoppt, auch wenn der eigentliche Hintergrund ein anderer ist.

Fotos unter: http://www.yamajola-nepal.de/de/?page_id=260

Geschrieben von manuel am 29. Dezember 2009 | Abgelegt unter Nepalinfos | 2 Kommentare

Studenten in Kathmandu

Dieser Artikel ist weder über das Studentenleben in Kathmandu, noch über die Universitäten. Diese werden wir wohl kaum kennenlernen. Trotzdem werden wir ab Februar 2010 offiziell Studenten sein. Wie kommt das? Der Artikel „Visaprobleme“ vom September beschreibt schon recht gut unser Problem hier in Nepal. Da wir keine Touristen sind, aber auch kein Geld verdienen kommt für uns Volunteers weder das Touristvisa noch das Workingvisa in Frage. Für uns muss also noch ein passendes Visum entworfen werden. Dieser Prozess wird aber voraussichtlich nun so lange dauern, dass wir das auf uns abgestimmte Visum gar nicht mehr verwenden können. Erst die nachfolgende Volunteer-Generation wird es in Anspruch nehmen können.

Doch wir sind nun mal jetzt in Nepal und nicht nächstes Jahr und das heißt, wir müssen irgendwo, irgendwie ein Visum herbekommen. Touristen dürfen sich maximal 150 Tage im Jahr in Nepal legal aufhalten, das wären vier Monate zu wenig, da unser Dienst erst im September endet. Deshalb schreiben wir uns nun im Februar in eine Universität ein und beantragen daraufhin ein Studentenvisum. Damit sind wir offiziell Studenten in Kathmandu, doch ist es fraglich ob wir jemals eine Vorlesung besuchen werden. Hauptsache der Schein wird gewahrt.

Für uns geht damit nun auch ein ständiges Bangen um unseren Dienst in Nepal zu Ende. Denn bis jetzt war es nicht sicher, ob wir unseren Freiwilligendienst in Nepal bis zum Schluss fortsetzen können. Die Alternative wäre eine Versetzung nach Indien. Doch zum Glück bleibt uns die von Grund auf neue Eingewöhnung (andere Kultur, andere Sprache, neue Wohnung, neues Projekt…) erspart.

Geschrieben von manuel am 18. Dezember 2009 | Abgelegt unter Unser Leben | 3 Kommentare

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