Maoisten und Umweltschutz
Jeder der schon einmal in Kathmandu war, weiß, dass der chaotische Verkehr unweigerlich zum Charme der Stadt beiträgt aber auch gleichzeitig eine Menge Stress und Abneigung erzeugt. Man stelle sich also Kathmandu ganz ohne Motorräder, Autos, Tuck-Tucks und Busse vor. Frei von jeglichem Smog und Lärm! Kinder spielen auf der Straße Federball und Kricket, Ehepaare und Freunde spazieren mitten auf den Hauptverkehrsadern. Keine Hektik, kein Hupen, keine Atemmasken. Einfach unvorstellbar, aber trotzdem wahr!
Genau dies geschah vom 20. bis 22. Dezember. Doch warum? Grund dafür ist ein von den Maoisten angekündigter dreitätiger Generalstreik oder „Nepal banda“ (geschlossenes Nepal) wie Nepalesen es nennen. Zurzeit sind die Maoisten zwar stark im Parlament vertreten jedoch nicht an der Regierung beteiligt. Um Aufmerksamkeit auf sich zu lenken starten sie immer wieder neue Aktionen. Sie animieren Schüler (die natürlich gerne mitmachen, da die Schule ausfällt) mit roten Fahnen und Parolen durch die Straßen zu ziehen, organisieren einen Busstreik oder wie kürzlich eben einen Generalstreik. Jegliche Fahrzeuge außer Fahrräder und Rikschas wurden verboten und alle Geschäfte hatten geschlossen – in ganz Nepal.

Dass dies auch eingehalten wurde, dafür sorgten die Maoisten indem sie unter der Bevölkerung Angst schürten. Am 19. Dezember nach Sonnenuntergang begangen sie ihren Marsch am Singhar Durbar, dem politischen Zentrum Nepals. Eine Parolen brüllende Meute mit Fackeln und roten Fahnen breitete sich durch die Straßen Kathmandus aus und drohte jedem Ladenbesitzer das Geschäft in Schutt und Asche zu legen, falls dieser in den kommenden drei Tagen den Rollladen hochzieht. Werden Motorradfahrer bei der Fahrt erwischt, werden sie angehalten und heruntergezogen. Dass Maoisten nicht spaßen, zeigt sich an den Todesopfern der letzten Wochen sowohl auf Seiten der Polizei wie auch bei den Maoisten selbst. Trotz allem haben Zivilbevölkerung und Touristen nichts zu befürchten, wenn sie die Streiktage gemütlich angehen und sich einen schönen Tag im ruhigen und sauberen Kathmandu gönnen. So gesehen tragen die Maoisten zum Umweltschutz in Nepal bei. Die Tage gleichen den Autofreien Sonntagen in Deutschland zur Zeiten der Ölkrise.
Ölkrise ist übrigens in Nepal ständig. Zwar ist der Liter Benzin mit 75 Cent im Vergleich zu europäischen Preisen extrem günstig, doch Benzin ist immer knapp. Jeden Morgen um sieben Uhr reihen sich Taxifahrer in die hunderte Meter lange Schlange vor den Tankstellen ein um ihr Gewerbe aufnehmen zu können. Jeder der glaubt mit seinem Motorrad schneller in Kathmandu voranzukommen muss die gewonnene Zeit bestimmt durch stundenlanges Warten an der Zapfsäule einbüßen. Trotz alledem wird unglaublich oft mit dem Gas gespielt, werden unnötige Strecken zurückgelegt und sogar im Innenhof zum Spaß herumgefahren. Dieser ganze Wahn wurde für drei Tage gestoppt, auch wenn der eigentliche Hintergrund ein anderer ist.
Fotos unter: http://www.yamajola-nepal.de/de/?page_id=260