weil ich weiss bin…

„Duita eksenabbe“, „duita eksenabbe“ (zwei fuer 190) ruft der Strassenverkaeufer den Passanten zu. Ich schaue interessiert und frage ihn auf Englisch wie viel denn ein T-Shirt koste. „350 Rupees.“ Kommt schnell die Antwort.

Manchmal erlaube ich mir diesen Spass, einfach nur um herauszufinden, ob er den doppelten, dreifachen oder fuenffachen Preis fuer einen Weissen verlangt. Welcher Tourist spricht schon Nepali? Und was unterscheidet mich von einem Touristen?

Doch es ist nicht immer lustig, oft sogar nervenaufreibend. Manche Obsthaendler und Gemueseverkaeufer wollen nach einer halben Ewigkeit Verhandlung auf Nepali nicht einmal 50 Prozent Aufschlag akzeptieren, sondern beharren auf ihren doppelten Preis. Wie ein ungeschriebenes Gesetz gibt es unter den Haendlern Nepali-Preise und Weisse-Preise, ganz zu schweigen von den Souvenirshops in Touristenvierteln.

Auch die vielen Hippies, die in den 70er Jahren scharenweise nach Kathmandu pilgerten und einige von ihnen sogar auf der Strasse landeten und bettelten; selbst sie konnten das Vorurteil vom reichen Weissen nicht verdraengen.

Habe ich mich bereits an die speziellen Preise gewoehnt, an die Fremdenfeindlichkeit oder an den Rassismus mancher Nepalesen kann ich mich nie gewoehnen. „Khuire!“, seitdem ich dieses abfaellige Wort fuer westliche Auslaender kenne, hoere ich es staendig. Kinder und Erwachsene, Haendler und Polizisten, sie alle sagen es nach dem Motto: Der dumme Auslaender versteht uns ja sowieso nicht.

Ich stehe also am Strassenrand und versuche die Aepfel auf den doppelten Nepali-Preis herunterzuhandeln. „Hey Khuire!!!“ schallt es von hinten. Ich drehe mich um. Ein Junge im vorbeifahrenden Schulbus hatte sich den „Spass“ erlaubt. Zwanzig Kinder zeigen mit dem Finger auf den „Khuire“ und lachen mich aus.

Teilweise schlagen solche Erlebnisse ganz schoen auf die Stimmung, gerade wenn man hier sozial taetig ist ohne Gehalt. Weil man anders aussieht, wird man immer anders bleiben. Eine voellige Integration ist auch im globalisierten 21. Jahrhundert nicht moeglich.

Doch dann bin ich wieder froh solche Erfahrungen gemacht zu haben. Erst jetzt verstehe ich es wirklich, was es heisst in Deutschland als „Neger“, „Nigger“, „Schlitzi“ oder „Japse“ bezeichnet zu werden.

Geschrieben von manuel am 7. Juli 2010 | Abgelegt unter Nepalinfos, Unser Leben | Keine Kommentare

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Profile Willkommen auf unserer Seite!

Wir sind 2 Freiwillige aus Deutschland, die ab September 2009 für ein Jahr in einem Kinderzentrum in Nepal arbeiten werden.

Auf dieser Seite werden wir über unsere Erfahrungen berichten und somit Nepal aus einer ganz anderen Perspektive vorstellen.

Vier neue Computer und jede Menge Fussball

Unser Arbeitsfeld im Kinderheim wechselt staendig. Zuerst haben wir Kindergartenkinder unterrichtet, danach jede Menge Renovierungsarbeiten am Gebaeude uebernommen, ein Klassenzimmer eingerichtet und darin die dritte, vierte und fuenfte Klasse in Englisch und Mathematik unterrichtet und nun sind vier niegelnagelneue Computer angekommen. Klar, dass die genutzt werden sollen. Der Andrang unter den Kindern, die bislang noch nie in Beruehrung mit Computern gekommen sind, ist enorm. Waehrend ich Grundkenntnisse und das Zehnfingersystem den Kindern beibringe, unterrichtet John Englisch. Das alles nach einem festen Stundenplan. Ich haette nie gedacht, dass in diesem Chaos mal ein richtiges System entstehen kann, doch es funktioniert.

Ausserdem ist die Fussballbegeisterung waehrend der WM auf ein kaum noch kontrollierbares Niveau gestiegen. Damit die Kinder nicht barfuessig oder mit Flip-Flops den Ball hin und her kicken, haben wir 14 Paar Fussballschuhe gekauft.

Fussball sorgt also fuer den Ausgleich zwischen Englisch und Computer. Nach wochenlangem Training gab es dann auch endlich das erste Fussballspiel gegen ein anderes Kinderheim. Das spannende Kraeftemessen konnte erst im Elfmeterschiessen entschieden werden – natuerlich fuer uns!

Erst nach neun Monaten in Nepal habe ich das Gefuehl anstaendige Arbeit zu leisten die sich lohnt. Zudem oder gerade deshalb bereitet sie mehr Spass als all die Monate zuvor. Natuerlich war die Renovierung noetig, genauso wie die Zeit sich in das Projekt einzufinden. Die Sprache ist dabei ein enorm wichtiger Faktor. Erst wenn man sich auf einfacher Weise mit den Kindern in ihrer Sprache verstaendingen kann, ist es moeglich eine Beziehung mit ihnen aufzubauen, die essentiell ist fuer unseren Dienst. Doch, dass es wirklich so lange dauert, haette ich beiweilen nicht geglaubt. Nun sind nur noch etwas mehr als zwei Monate uebrig, die so intensiv genutzt werden wollen wie moeglich. Auf geht’s zum Endspurt!

Geschrieben von manuel am 30. Juni 2010 | Abgelegt unter Projekt | Keine Kommentare

Fussballweltmeisterschaft in Nepal

Es ist schon merkwuerdig eine WM in einem Land zu verfolgen, das niemals bei einer Fussballweltmeisterschaft mitgespielt hat und auch in absehbarer Zeit nicht mitspielen wird. Die Nepalesen sind sich dessen natuerlich bewusst und finden eine andere Loesung DAS international Turnier zu geniessen. Jeder Nepalese, jede Nepalesin sucht sich ein oder zwei Teams aus, das er oder sie waehrend der WM lautstark unterstuetzt. Dies ist in 90 Prozent der Faelle Brasilien oder Argentinien; wer will schon zu den Verlierern gehoeren. Doch auch europaeische Mannschaften wie Deutschland, England oder Frankreich werden unterstuetzt.

Waehrend in Deutschland das sogenannte “puplic viewing” in den letzten Jahren zum Trend wurde, gab es in Nepal noch nie etwas anderes. Da viele Familien keinen eigenen Fernseher besitzen wird dort geschaut, wo einer ist. Das ist entweder in der Kneipe, in ein paar winzigen Lebensmittelgeschaeften oder in Hotels.

Ich selbst besitze auch keinen Fernseher und durch die drei Stunden 45 Minuten Zeitverschiebung sind mir viele Spiele einfach zu spaet. Doch anhand der Aufschreie waehrend der 90 Minuetigen Spielzeit kann man mit etwas Geschick leicht die Anzahl der geschossenen Tore herausfinden.

Was das Fussballspielen an sich angeht, so erlebt es in Nepal zurzeit einen unglaublichen Boom. Die Faszination begeistert vor allem Kinder, die auf der Strasse oder auf Schotterplaetzen (einen Rasen findet man nirgends) mit dem Ball kicken. Sogar buddhistische Moenche lassen sich neben der Mediation und dem Rezitieren von heiligen Texten, den Spass nicht nehmen in ihren dunkelroten Roben dem Ball hinterherzujagen.

Und vielleicht schafft es ja Nepal irgendwann zu einer WM zu fahren. An Begeisterung mangelt es sicher nichtt.

Geschrieben von manuel am 22. Juni 2010 | Abgelegt unter Ländervergleich | 3 Kommentare

Wir leben noch…

… auch wenn lange kein Artikel mehr erschiehnen ist. Ein kaputter Computer, der in Nepal nicht mehr zu reparieren ist und die Nepali-Abschlusspruefung sorgten dafuer, dass der Blog vernachlaessigt wurde. Doch das soll sich jetzt wieder aendern. In den letzten drei Monaten hier in Nepal wird nun wieder fleissig geschrieben, wenn auch mit ae, ue, oe usw. da mir die deutsche Tastatur fehlt. Ich hoffe all die regelmaessigen- und Gelegenheitsleser bleiben uns weiter treu, auch waehrend der WM.

Wuensche Euch weiterhin viel Spass mit yamajola-nepal.de – ab jetzt wieder jede Woche!

Geschrieben von manuel am 17. Juni 2010 | Abgelegt unter Allgemein | Keine Kommentare

Bericht aus dem roten Kathmandu

Mitte April stand ich an der Post wartete auf einen Freund. Die Mauern sind immer irgendwie mit politischen Parolen tapeziert. Sie sind eben da, aber keiner würdigt dem Ganzen auch nur einen kurzen Blick; die Politikverdrossenheit nach so vielen Jahren korrupter Regierungen ist in kaum einem anderen Land der Welt größer. Doch an diesem Tag schien das nicht so zu sein.

Ein einziges Plakat sticht heraus welches die Passanten nicht ignorieren. Der Maoistenführer mit erhobener Faust inmitten roter Parolen. Das Einzige was ich erkennen kann ist das Datum des 1. Mai, der internationale Arbeitertag.

Die Zeit vergeht und hin und wieder kommt man auf das Thema zu sprechen, doch die Nepalesen sind Drohungen genug gewöhnt um in Panik zu verfallen. Am Donnerstag letzte Woche habe ich dann die ersten Anzeichen erkennen können. In unserer Universität haben sich jede Menge Maoisten breitgemacht, nicht um die Lehre zu ändern, nein, um dort zu übernachten. Denn aus ganz Nepal sind für den 1. Mai 400.000 Protestanten in Kathmandu zusammengekommen um zu protestieren. Gegen was genau wissen sie selbst nicht, aber sie bekommen pro Tag 100 Rupien (1 Euro) plus Essen, plus kostenlose Fahrt nach Kathmandu. Das ist für viele eine willkommene Abwechslung zum ländlichen Leben und zudem ein besserer Verdienst. Aber von richtigen maoistischen Anhängern kann hier keine Rede sein, auch wenn die Partei stolz verkündet, dass knapp eine halbe Millionen „Freiwillige“ (viele werden zudem gezwungen den Protesten beizuwohnen) zusammengekommen sind. Kathmandu wächst an einem Tag auf die 1,5 fache Bevölkerung.

Und nun seit Samstag ist die Stadt geschlossen. Bandha, wie die Nepalesen dazu sagen. Kein Auto und keine Motorräder sind zu sehen. Ab und zu erspäht man einen Militärlaster mit stark bewaffneten Polizisten drinnen oder ein Touristenbus mit grüner Flagge und weißer Schrift „Tourists only“. Geschäfte sind verrammelt, Schulen haben geschlossen, alle Ämter sind verriegelt. Zum Glück haben wir vorher genügend Trinkwasser und Lebensmittel gehortet. Doch falls nicht, irgendwelche Wege gibt es immer: Hühner legen weiter Eier, Kühe geben weiter Milch und so sitzen die Ladenbesitzer vor ihrer geschlossenen Ladentür in der Hoffnung, dass sie jemand anspricht und durch die Hintertür mitgeht. Nur Vorsicht ist geboten, denn Maoisten drohen Streikbrecher mit der Verwüstung des Geschäfts.

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Nun ist Tag vier seit Beginn des Streiks und jeden Tag lassen sich Maoisten eine neue Aktion einfallen um die Protestierenden bei Laune zu halten. Gestern führte der Maoistenführer und ehemalige Premier vor den Augen tausender Schaulustiger einen nepalesischen Tanz, auf einen der leeren Hauptstraßen Kathmandus, auf und am Abend bildeten sie eine Menschenkette auf Kathmandus Ringstraße. Maoist mit Maoist Hand in Hand rund um Kathmandu – wenn man es nicht besser wüsste, könnte man sich in alte Hippiezeiten zurückversetzt fühlen. Menschenketten für den Frieden. Doch mit Frieden hat das nun mal nicht viel zu tun, denn ab heute sind „Aggressionen“ geplant, skurriler weise sollen diese friedlich sein.  Mit ihren „friedlichen Aggressionen“ trachten die Maoisten nach dem ganz Großen: Sie fordern nun den sofortigen Rücktritt der Regierung.

Geschrieben von manuel am 5. Mai 2010 | Abgelegt unter Nepalinfos | Ein Kommentar

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